Durch Wüste und Wildnis

Henryk Sienkiewicz (PL)

 

Buch Softcover, Deutsch, 384 Seiten, 21,0 x 14,8 cm, 2. Auflage Deutsch, erschienen: 30. Dez. 2016, ISBN 978-3-906212-15-9

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Buchbeschreibung

Durch Wüste und Wildnis

Durch historische Romane wie “Mit Feuer und Schwert” (1. Teil einer Trilogie, 1883) erlangte Henryk Sienkiewicz große Berühmtheit in seiner polnischen Heimat. Mit der Veröffentlichung eines weiteren historischen Romans, “Quo Vadis” (1986), wurde ihm schließlich auch weltweite Anerkennung zuteil.1905 wurde er mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.

"Durch Wüste und Wildnis" führt den Leser durch die vielfältige Vegetation des afrikanischen Kontinents und gewährt ihm faszinierende Einblicke in das Leben der einheimischen Stämme. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen der 14-jährige Stasch, Sohn eines polnischen Ingenieurs und Nell, die 8-jährige Tochter des englischen Direktors der Sues-Kanal-Gesellschaft. Das alltägliche Leben der Kinder in Afrika nimmt eine plötzliche Wendung, als Stasch und Nell Opfer einer Entführung werden.

Das Buch wurde mehrmals verfilmt, in den 70er Jahren in Polen, in der BRD, in der DDR und 2001 von G. Hood in den USA. 


Der Autor

Henryk Sienkiewicz
Henryk Sienkiewicz

Henryk Adam Aleksander Pius Sienkiewicz wurde am 5. Mai 1846 in Wola Okrzejskaim, einem kleinen Dorf als ältestes von fünf Kindern des einfachen Landadeligen Josef Sienkiewicz und der ebenfalls dem polnischen Adel entstammenden Stefania Cieciszowska geboren. Seine Cousine zweiten Grades war die polnische Dichterin der Romantik Jadwiga Łuszczewska, sein entfernterer Onkel war der für die Literatur der Romantik in Polen bedeutsame Historiker und Freiheitskämpfer Joachim Lelewel (1786-1861) und sein Neffe war der im KZ Sachsenhausen ums Leben gekommene Professor für Literaturgeschichte Ignacy Chrzanowski. Sienkiewicz war dreimal verheiratet und hatte zwei Kinder aus erster Ehe, Henryk Józef und Jadwiga Sienkiewicz.


Der Übersetzer

Hubert Sauer Žur
Hubert Sauer Žur

Hubert Sauer Žur (1923-2013) war von 1965 bis 1979 Verlagsleiter des 1919 gegründeten und renommierten "Greifenverlages" in Rudolstadt (Thüringen). Dieser gehörte zu den bekanntesten belletristischen deutschsprachigen Verlagen des 20. Jahrhunderts. Seine bedeutendste Phase erlebte der Verlag in den 50er und 60er Jahren, als es sich mit der Herausgabe von Exilliteratur, ausgewählten Bereichen der Weltliteratur und illustrierten Büchern profilierte. Hubert Sauer Žur war nach dem Tod des Gründers Karl Dietz ab 1965 Verlagsleiter des dann dem Staat gehörenden VEB Greifenverlag.


Leseprobe (6. Kapitel)

Rawlison und Tarkowski erwarteten die Kinder sehr wohl. Sie taten es aber nicht inmitten der Sandhügel von Wadi-Rajan. Dorthin zu fahren hatten sie weder einen Auftrag, noch die geringste Lust. Vielmehr harrten sie ihrer Sprösslinge in einer vollkommen anderen Gegend, nämlich in der Stadt El Fachen. Sie lag am gleichnamigen Kanal, an dem sie die bis Jahresende geleistete Arbeit zu begutachten hatten.

Die Entfernung zwischen El Fachen und Medinet beträgt etwa fünfundvierzig Kilometer Luftlinie. Es besteht allerdings keine direkte Verbindung zwischen beiden Orten. Man muss über El Wasta fahren, was die Strecke immerhin fast verdoppelt. Rawlison blätterte im Kursbuch und stellte folgende Berechnung an: „Chamis hat sich gestern abend auf den Weg gemacht“, erläuterte er Tarkowski. „In El Wasta müsste er den Zug aus Kairo erwischt haben. Also war er heute Morgen in Medinet. Die Kinder können sie in einer Stunde eingeladen haben. Seien sie auch mittags losgefahren, müssten sie auf den Nachtzug der Nillinie warten. Ich habe jedoch verboten, Nell nachts reisen zu lassen. Folglich werden sie heute früh starten und kurz nach Sonnenuntergang eintreffen.“

„Gewiss“, pflichtete Tarkowski bei. „Chamis muss schließlich ein wenig verschnaufen. Wenn Stasch auch vor Ungeduld brennt, kann man sich doch auf ihn verlassen, sobald es um Nell geht. Ganz nebenbei habe auch ich ihm geschrieben, jegliche Nachtfahrten zu meiden.“

„Er ist ein wackerer Bursche“, sagte Rawlison anerkennend. „Ich baue voll auf ihn.“

„Ich auch“, ergänzte Tarkowski. „Bei allen seinen Schwächen hat er einen redlichen Charakter. Er lügt nicht. Dazu ist er zu kühn. Seiner Meinung nach schwindeln nur Feiglinge. An Energie mangelt es ihm auch nicht. Wenn er sich beizeiten auf Umsicht und Besonnenheit einstellt, wird er sich im Leben schon zu helfen wissen.“

„Bestimmt“, bekräftigte Rawlison. „Und was die Besonnenheit anbelangt – warst denn du in seinem Alter besonnen?“

„Ich muss bekennen, es nicht gewesen zu sein“, gab Tarkowski lachend zu. „Vielleicht war ich aber nicht ganz so selbstsicher wie er.“

„Das gibt sich“, sagte Rawlison. „Sei froh, dass du einen solchen Kerl zum Sohn hast.“

„Und du, ein solch liebes Geschöpf wie Nell zur Tochter zu haben“, gab Tarkowski das Kompliment zurück.

„Gott möge beide segnen“, schloss Rawlison.

Die beiden Freunde setzten sich, um die Pläne und Kostenvoranschläge der Kanalbauvorhaben zu prüfen. Darüber verging die Zeit bis zur Abenddämmerung. Gegen sechs Uhr, als bereits die Nacht hereinbrach, gingen sie zur Bahn. Auf dem Bahnsteig einherwandelnd, setzten sie ihr Gespräch über die Kinder fort.

„Blendendes Wetter, aber kühl“, bemerkte Rawlison. „Hoffentlich hat Nell warme Kleidung mitgenommen.“

„Stasch wird schon daran gedacht haben. Und Dinah auch“, beruhigte Tarkowski.

„Trotzdem bedaure ich, dass wir nicht selbst nach Medinet gefahren sind, anstatt sie hierherzuholen“, sagte Rawlison kleinlaut.

„Genau so hatte ich geraten“, erklärte Tarkowski rechthaberisch. „Erinnerst du dich?“

„Ich weiß“, gestand Rawlison ein. „Müssten wir nicht von hier aus weiter nach Süden fahren, wäre ich ja darauf eingegangen. Nach meinem Überschlag hätte der Weg zu viel Zeit geraubt. Außerdem wären wir mit den Kindern kürzer zusammengewesen. Letztlich, gebe ich zu, hat Chamis geraten, sie herzuholen. Er beteuerte, schreckliche Sehnsucht nach ihnen zu haben und sich glücklich zu schätzen, schickte ich ihn zu ihnen. Ich wundere mich nicht, dass er sie liebgewonnen hat.“

Das Fauchen einer Lokomotive unterbrach die Plauderei. Kurz darauf stachen ihre Glutaugen aus der Finsternis. Gleichzeitig stampfte sie schrill pfeifend herein. Erleuchtete Wagen glitten am Bahnsteig entlang, erbebten und standen still.

„Ich habe sie in keinem Fenster ausgemacht“, sagte Rawlison.

„Sie werden schon gleich aussteigen“, beruhigte Tarkowski ihn.

Unter den Ankömmlingen überwogen Araber. El Fachen hat außer schönen Palmen- und Akazienhainen nicht sonderlich viel Interessantes zu bieten.

Die Kinder waren nicht dabei.