Der Pflaumentoffel und der Zauberstab der vier Elemente

Michael Heiderich (D)

 

Buch gebunden, Softcover mit Klappen, 248 Seiten, 21,5 x 13,5 cm, erschienen: März 2013 im, 1. Auflage Deutsch, ISBN: 978-3-938706-39-8

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Beschreibung

Von seinen Freunden zu Hilfe gerufen, hat der Pflaumentoffel sein erstes großes Abenteuer zu bestehen. Er muss den Zauberstab der vier Elemente, der in Besitz der Fee des Nordens gelangt ist, finden und vernichten, um so die Bedrohung des Zwergenreiches abzuwenden. Die Suche führt ihn durch die Ebene der grau-schwarzen Wölfe ins Königreich Ardokan. Dabei findet er unverhofft Hilfe und gewinnt neue Freunde. Gemeinsam machen sie sich auf den weiten und gefährlichen Weg ins Reich der Nordfee, um noch rechtzeitig den Zauberstab zu vernichten.

Der Roman ist die Fortsetzung der Entstehungsgeschichte des Pflaumentoffels, die 2012 von Uwe Steimle gesprochen als das Hörbuch „Die Abenteuer des Pflaumentoffel“ erschienen ist.


Vorwort

Jede Region hat ihre eigenen Mythen, Märchen und Sagen. Eine davon kommt aus einem kleinen Gebirge in Mitteldeutschland, dem Erzgebirge. Dort wurde vor vielen, vielen Jahren die Figur des Pflaumentoffels geboren. 

Aber was hat es mit diesem „Toffel“ auf sich? 

Eine erste Kurzgeschichte „Die Abenteuer des Pflaumentoffel“ erzählt von seiner Entstehung und zahlreichen Abenteuern auf seiner Wanderschaft, bis er letztendlich seine Bestimmung fand. Mein besonderer Dank gilt hier Uwe Steimle, der in diesem Hörbuch dem Pflaumentoffel mit seiner Stimme Charakter und Gestalt verlieh. 

Nachdem der Toffel aber dort den Menschen die Wärme, die Freude und den Frieden der Weihnacht gebracht hat, endet seine Geschichte auf dem Weihnachtsmarkt. Und dort erfreut er uns nun Jahr für Jahr. 

Aber was macht so ein gewitzter und tatendurstiger Geselle eigentlich zwischen Neujahr und dem nächsten Fest? 

Ist er nur „eingemottet“, oder gibt es da vielleicht noch mehr? 

Ich habe mich auf die Suche gemacht und Erstaunliches zu Tage befördert, aber lest selbst ...


Der Autor

Michael Heiderich
Michael Heiderich

Michael Heiderich (Jahrgang '57) stammt aus einer Theaterfamilie. Er studierte in den 80ern Musik und arbeitete in mehreren Bands als Profimusiker, komponierte und schrieb Songtexte.

Seit der Wende bastelt er im eigenen Tonstudio an neuen Projekten und Herausforderungen.

Dort wurde auch die Idee zu den Pflaumentoffelgeschichten geboren. 

Im Ergebnis zahlreicher Recherchen zu der historischen Figur entstand 2011 das Hörbuch „Die Abenteuer des Pflaumentoffel“ mit Uwe Steimle als Sprecher und nach dem großen Erfolg dieser ersten kleinen Geschichte war schnell klar, der „Toffel“ musste ein weiteres Abenteuer erleben.

Doch dieses nahm immer größere Ausmaße an und die Arbeiten dazu zogen sich übers ganz Jahr 2012 hin. Aber es hat sich gelohnt, denn jetzt wissen wir endlich, was so ein Pflaumentoffel übers Jahr so treibt ...


Leseprobe

Der Weg nach Norden

Torok und Gorlin waren zur Wache eingeteilt. So richtig verstanden sie den Sinn dieser Maßnahme nicht, aber Minister Gromlot hatte darauf bestanden. Den ganzen Tag schon hatten viele Zwerge unter seiner Aufsicht die Plattform vor dem großen Nordtor wie eine Festung gesichert. Das gewaltige Holztor schützte die Zwerge im Berg zwar seit Jahrhunderten vor ungebetenen Gästen, doch die Schneetrolle sollten im Falle eines Angriffs das Tor gar nicht erst erreichen. Sofern der Plan von Minister Gromlot aufging, würden sie mit Steinen und anderen Wurfgeschossen den Eingang von hier aus gut verteidigen können.

„Ich weiß gar nicht, warum uns Gromlot hier so hat schuften lassen“, sagte Torok und schaute in den wunderbaren Sternenhimmel über ihnen. Es war heute eine von diesen Spätsommernächten, an denen es schon recht frisch wird. Aber durch die gute Sicht in der kälteren Luft wirkten die Sterne ganz nah und ihr Licht ließ die Berge rund um den Eingang zur Zwergenhöhle in majestätisch silbernem Glanz erstrahlen.

„Verstehe ich auch nicht“, antwortete Gorlin. „Ich denke, er hat diesen Pflaumentoffel mit Mandur und dem unzertrennlichen Gespann Baldur und Burlo losgeschickt. Da sollte er doch Vertrauen haben, dass wir die Schneetrolle gar nicht erst zu Gesicht bekommen!“

„Ach wer weiß, was an der ganzen Geschichte überhaupt dran ist“, bestätigte Torok und winkte mit der Hand ab. „Am Ende sind alles nur irgendwelche Gerüchte, die sie Mandur auf seinen Reisen untergejubelt haben.“ 

Beide kicherten leise bei dem Gedanken. „Aber sieh‘s doch mal so“, sprach Torok weiter, „wir dürfen uns ja bei Nacht ohne Sondergenehmigung nie außerhalb der Höhle aufhalten. Und Sondergenehmigung heißt Sondergenehmigung, weil sie samt und sonders jedem verweigert wird, der nicht einen wirklich besonderen Grund dafür nennen kann.“

„Hast Recht“, erwiderte Gorlin, „so gesehen ist die Einteilung zur Wache ja gar nicht so übel. Schade, dass uns Gromlot ausdrücklich untersagt hat, ein kleines Feuerchen zu machen. Aber was soll‘s. Warm angezogen sind wir, und das Naturschauspiel hier ist nicht zu überbieten.“

Torok nickte bestätigend und beide schauten zum Himmel hinauf. 

„Los, lass uns Sternbilder raten“, sagte er.

„Das dort muss die Jungfrau sein“, riet Gorlin wild drauflos.

„Möchte bloß mal wissen, wer diese Namen verteilt hat“, stöhnte Torok, „das sieht für mich eher aus wie ein buckliger Zwerg, aber nicht wie ´ne Jungfrau. Aber dort, die Schlange. Steht ziemlich tief, sieht aber wenigstens aus wie ‚ne Schlange!“

„Wo du Recht hast, hast du Recht“, bestätigte Gorlin und zupfte seine Jacke zurecht. Als er wieder zum Sternbild der Schlange sah, stutzte er: „ Also entweder dreht sich die Erde auf einmal schneller, oder die Schlange bewegt sich!“

Torok starrte gebannt auf das Sternbild der Schlange, das sich in der Ferne tatsächlich zu bewegen schien.

„Das sind keine Sterne“, flüsterte er entsetzt, „das sind Fackeln! Hunderte von Fackeln! Und sie nähern sich von Norden.“

„Ich fürchte jetzt ist es vorbei mit unserer idyllischen Nachtwache“, knurrte Gorlin leise. „Wir müssen sofort Gromlot benachrichtigen.“

„Ja“, seufzte Torok, „scheint leider so, als ob er sich doch nicht geirrt hat.“

Die beiden verließen ihren Wachposten und rannten hinüber zum großen Tor. Torok hämmerte das vereinbarte Klopfzeichen dagegen und in dem gewaltigen Tor öffnete sich unten eine kleine Tür. Sie schlüpften hindurch und stürmten aufgeregt in die große Eingangshalle.

„Ah, sie kommen“, empfing sie Gromlot.

„Aber woher wisst ihr ...“, stammelte Gorlin.

Gromlot lächelte vielsagend. „Erstens brauche ich mir euch beide nur anzusehen, und zweitens hatte ich schon vermutet, dass sie nachts marschieren, um dann im Schutze der Morgendämmerung anzugreifen. Öffnet die Tür, wir wollen uns ein Bild davon machen, wann sie hier eintreffen werden!”

Die Zwerge hoben die mächtigen Eichenholzriegel aus ihren Halterungen und öffneten beide Flügel des großen Tores. Gromlot trat zuerst hinaus, gefolgt von Torok, Gorlin und der ganzen Armee. Aufgeregt zeigte Torok in die Richtung, in der sie die Schlange entdeckt hatten. Diese war inzwischen schon beträchtlich näher gekommen. Man konnte jetzt unter den Fackeln ihre weißen Träger erahnen.

„Sind es Schneetrolle?“, wollte Torok seine Beobachtung bestätigt wissen.

„Ja, es sind Schneetrolle“, seufzte Gromlot, „und ich fürchte, sie wollen sich nicht nur artig als neue Nachbarn zum Besuch vorstellen. In zwei, drei Stunden werden sie den Fuß unseres Berges erreicht haben. Aber wir waren ja nicht untätig, lasst uns sie gebührend in Empfang nehmen.“

Die Zwerge auf dem Plateau nickten und reckten stumm, aber entschlossen ihre kleinen Schwerter in den kühlen Nachthimmel.

Die Horste der Waldkuren waren riesig. Selbst die fünf Prinzenbrüder fanden bequem darin Platz. König Kuran III. ließ sie genauso köstlich bewirten wie die Zwergengemeinschaft mit dem Pflaumentoffel, die es sich in ihrem angestammten Nest nebenan gut gehen ließ. Nachdem sich alle gestärkt hatten, fand sich die ganze Gesellschaft im Domizil der Zwerge ein. König Kuran war herangerauscht und hatte auf der hohen Umrandung des Horstes Platz genommen.

Der Pflaumentoffel setzte sein nachdenkliches Gesicht auf und wandte sich an den fünften Krieger: „Wir haben lange nach dir gesucht. Dein unfreiwilliges Versteck war nicht leicht zu finden. Ebensowenig war es leicht, dich da heil herauszubekommen. Wir alle hoffen, dass die Geschichten stimmen, die man so über dich erzählt!“

Urdok wischte mit einer kurzen Handbewegung seine dunkelbraunen Haare aus der Stirn und schmunzelte: „Und was erzählt man sich so über mich?“

„Du sollst mit deinem Schwert die Zeit beherrschen können“, erwiderte der Toffel unbeeindruckt.

„Hinter die Sache können wir einen Haken machen“, mischte sich Baldur spöttisch ein, „sonst wären wir kaum heil aus der Kristallhöhle herausgekommen.“

„Das weißt du doch nicht“, ertönte Burlo wie auf Kommando, „ich hatte jedenfalls gerade Spaß am Schneetrolle Erledigen gefunden!“

„Burlo!“, wies ihn Mandur scharf zurecht, „Kannst du nicht einmal ernst sein!“ ...