Axel Bürger (D)

Ewiger Osten


Ein Lesevergnügen der besonderen Art.  Bitter-süße Satire, überspitzt und ironisch,  bisweilen melancholisch. Informativ, mit einer Mischung aus den persönlichen Erfahrungen des Autors über das wirkliche Leben in der DDR. 

 

Die kleinen Episoden und detaillierten  Beschreibungen machen diese Publikation besonders interessant. Eine deutliche  Warnung vor der Unfreiheit des Sozialismus und ein Bekenntnis zur Demokratie. Humorvoll, bewegend und spannend geschrieben, den Leser fesselnd und oft schmunzeln lassend. Erkenne Dich selbst!

 

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie den Verlag oder Autor!


Buch

Ewiger Ostern

Axel Bürger (D)

Buch, Softvover, Taschenbuch, 176 Seiten, 19 x 12,5 cm, erschienen: 24.12.2021, 1. Auflage, Deutsch, ISBN: 978-3-906212-93-7, €  14,90 [D], €  15,40 [A], CHF 17,90 

Ewiger Osten (Buch, gebunden)

14,90 €

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Autor

Axel Bürger
Axel Bürger

Axel Bürger, geb. 17.03.1971, ist Unternehmer, Publizist und Autor.


Leseprobe

Nichts tat ich als Junge lieber, als Sommers raus aus   unserem Dorfe, hinaus auf die abgeernteten Felder zu laufen, um dort stundenlang umherzustreifen. Ich genoss die warme, nach Korn und Stroh duftende Sommerluft, den guten Boden, der sich wie ein dunkler goldbestickter Teppich vor mir ausbreitete, den weiten Ausblick um         mich, den blauen Himmel über mir und die steten Rufe der Feldlerchen.

Im Norden, da rückte unsere Bezirksstadt mit ihren vorgelagerten Ortschaften an uns heran, da bin ich geboren, dort ging ich bis 79 zur Schule. Im Süden Berge und Wälder, da lagen die Dörfer, wo die Schulkameraden wohnten, die mich oft daheim besuchten. Im Westen, nicht weit weg von mir, eine Gedenkkirche, die Maurer und Steinmetze, Meister und Aufseher ihrer Zunft, in christlicher Zeit in tiefer Dankbarkeit zu Ehren König Gustav Adolfs aus glattbehauenen, kubischen Steinen auf einer Anhöhe errichtet hatten. Dieser hatte vor 350 Jahren die Protestanten vor einer vernichtenden Niederlage im dreißigjährigen Glaubenskrieg bewahrt, dauerhaft für Glaubensfreiheit und -vielfalt gesorgt und dies am Ende auch noch mit seinem Leben bezahlt. Alter Schwede!

Wendete ich aber den Blick nach Osten, dann sah ich das Antonym dessen, was ich im Westen erblickte! Zwar sah ich auch dort Berge, Hügel und Wälder. Doch nach   teuflischer, unchristlicher Zeit hatte man dort einen hohen Turm errichtet, der sich dort nun als Fremdkörper vom grünen Hintergrund des Ettersberges abhob. Ein riesiger, 50 m hoher rechteckiger Klotz, mit zwei abgestuften Aufsätzen, übereinandergestapelt, Tempeln gleich. Weithin sichtbar, hinein mitten ins Thüringer Land, auf den Ettersberg.

Und dieser Platz war nicht zufällig so gewählt worden, es wurde mit Bedacht geplant und ausgeführt!

Denn der Ort, den der Turm mit seiner Lage mitten in dieser Idylle markiert, war nichts minder als die Hölle!!! Die Hölle, der Wohnort des Teufels, dem Meister des   Todes in der Tiefe, zu uns Menschen an die Oberfläche der Erde emporgestiegen. Aber ich werde diesem furchtbaren Ort mit dieser Beschreibung gar nicht gerecht, denn  natürlich war es nicht Luzifer, der Satan persönlich, der  dort für unfassbares Grauen sorgte, nein, es waren Menschen!

Ich war damals noch klein, aber wir Kinder wussten, dass es zum Erwachsenwerden gehörte, eines Tages mit unserer Schulklasse dorthin zu fahren, um von dem zu erfahren, was sich von 37 bis 45 dort ereignet hatte. Und wir wussten auch, dass man uns zwar viel davon erzählen, aber die ganz schlimmen Dinge eben verschweigen  und nicht zeigen würde.

Und so wuchs ich dort auf, da im wunderschönen Thüringen, vielleicht 15 km Luftlinie von der Hölle entfernt, deren Überlebende sich zu Kriegsende selber daraus befreiten und die zu Teufeln mutierten Menschen verjag ten. Bis diese sich andere Orte suchten, um wieder neue Höllen zu eröffnen…

Als ich herangewachsen war, nahm ich an verschiedenen Kundgebungen im ehemaligen KZ Buchenwald teil, so heißt der Ort, den man ob des Geschehenen so schwer beschreiben kann.

Vor dem Gedenkturm versammelten sich dann Menschenmassen, die oft aus der ganzen Welt angereist waren. Wir jungen Leute trugen weiße Hemden mit roten Halstüchern und nannten uns „Thälmann Pioniere“!

Unser Vorbild und Namensgeber war 1944 unweit dieses Platzes auf dem Gelände des KZ ermordet worden.

Die älteren jungen Leute, die sogenannten „Halbstarken“, trugen blaue FDJ-Hemden, mit einer aufgehenden Sonne als Symbol am Oberarm. Ob deren Vorbild eben falls erschossen worden war, wußte ich nicht.

Zu den Weithergereisten gehörte eine Menge ehemaliger Häftlinge des KZ, die dort als junge Leute gefangen gehalten und gequält worden waren. Einige von Ihnen sprachen sehr gut Deutsch und sie mahnten uns in ihren Reden eindringlich dafür zu sorgen, dass sich solche Verbrechen niemals wiederholen dürften!

Mich beeindruckten diese Menschen, die sich ihrem Schicksal nicht ergeben, stattdessen gekämpft und wie durch ein Wunder die Gräuel überlebt hatten.

Sie waren inzwischen Großeltern geworden und lebten mit ihren Familien an Orten, die sie sich nach dem Krieg als Heimat oftmals erst neu suchen mussten. Denn an den Ort ihrer Geburt konnten sie in den meisten Fällen nicht zurückkehren. Vor allem nicht dann, wenn dieser sich noch weiter gen Osten befand, als hier vom Gedenkturm aus.

Ist das nicht merkwürdig?

Mit dieser Tatsache hatte ich ein großes emotionales Problem.

Wir lebten doch in der schönen, sicheren DDR, dem antifaschistischen Schutzwall!?!

Der ideale und sicherste Ort der Welt! Weshalb lebten diese alten Männer mit ihren Familien nicht bei uns, sondern drüben in der BRD, in Holland, Belgien, Frankreich, Israel … … …?

Und vor allem, was sollte denn das? Musste man uns als aufrichtige Kommunisten wirklich daran erinnern, es den Hitler-Faschisten in deren maßlosen Verbrechen nicht gleich zu tun??? Lag da etwa der Keim eines Misstrauens uns gegenüber? Dieser Verdacht war doch wirklich ungeheuerlich!!!

 

Ich hatte keine Gelegenheit diese Menschen näher kennenzulernen und sie nach ihren Gründen für dieses tiefsitzende Misstrauen zu fragen, denn sie reisten baldigst wieder ab in ihre neue Heimat.

Also blieb ich mit diesen Gedanken allein zurück.

Mein Thüringen, es ist mit seinen Burgen, Schlössern und Wäldern für mich immer ein Sehnsuchtsort geblieben. Umso stärker, je länger der Zeitpunkt zurückliegt, seit ich meiner Heimat unfreiwillig den Rücken kehren         musste und sie verließ.

Ich erinnere mich vor allem gern an Ausflüge und Urlaub mit der Familie. Oder an Dreitagesfahrten mit der Schulklasse! Nach Bad Frankenhausen mit Kyffhäuser Denkmal und Barbarossa Höhle, Saalfeld mit den märchenhaften Feengrotten. Und nicht zu vergessen die Jugendherberge Leuchtenburg. Bei Kahla, wo auch gutes DDR-Geschirr für unsere Familienfeste herkam. Das war ein Leben, damals drüben in der DDR!

Klar, es mangelte an allem. Als ich 18 wurde und ich mich für mein Auto anmeldete, betrug die Wartezeit 17 Jahre! Wer sich modisch kleiden wollte, der legte einen Monatslohn für eine Hose und eine Jacke auf den Tisch des volkseigenen Kaufhauses. Eine Dose Ananas kostete im FressEx 15 Mark, ein halber Tageslohn.

Wenn ich es mir recht überlege, dann gab es natürlich an allem etwas auszusetzen und zu meckern.

Aber die Bevölkerung hielt zusammen, wir alle waren fleißig und erfinderisch.

 

Nur der Blick in den Westen, der sorgte für regelmäßige Depressionen, weil dann deutlich wurde, wir in der DDR würden es wohl niemals schaffen.

Wir mit unserem sozialistischen Wettbewerb, unserer Planwirtschaft, Aktuellen Kamera, Schwarzem Kanal, dieser Enge und Nichtreisendürfen.

Aber wenn dann der seltene Westbesuch einmal kam, um sich auf hohen Familienfesten blicken zu lassen, dann wurde aufgetafelt, alles was Regale und Vorratskeller hergaben!

Dosen mit Champignons, Spargel, Mandarinen, Pfirsichen, Aprikosen, Ananas in Stücken und in Scheiben.

Diese hatte die Westverwandtschaft uns über Jahre zuvor in wunderbar duftenden Westpaketen geschickt, sie wurden dann alle auf einmal geöffnet und an einem einzigen Tag verputzt.

Und „Mensch, Euch geht`s doch gar nicht schlecht in der Zone!“ hörten wir dann.

Was war ich stolz auf meine DDR! Trotzdem meckerte der Westbesuch! Die Schikanen an der Grenze, die miserablen Straßen, die die Westautos nur schlecht vertrugen. Die grauen Häuser, Geruch und Qualm vom Heizen mit Braunkohle. Und die liebe Politik! Alles Idioten, der Dachdeckerhelfer vorneweg und auf Stoph reimt sich doof… hahaha – oh, Euer Ford steht ja noch auf der Straße? Schnell auf den Hof damit und geschwind das Tor geschlossen! Vater ist Lehrer und nicht in der Partei. 

Besser niemand sieht, dass wir Westbesuch haben.


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