Ben Langer (DE)

Schwarze Schwäne, blaue Schatten

Ein philosophischer Roman


Ferdinand lebt in einer Welt, die von den Blauen und ihrem unsichtbaren, allgegenwärtigen Apparat beherrscht wird. Zunächst nimmt er dessen Existenz kaum wahr. Doch als schwarze Schwäne auftauchen und die bekannte Welt schlagartig aus ihrer normalen Bahn geworfen wird, beginnt eine Sehnsucht nach Bianca, seiner Jugendliebe, zu erwachen. Sie ist in den Wald geflohen, weil sie es in der Gesellschaft nicht ausgehalten hat.

 

Zwischen Macht und Ohnmacht, Freiheit und Determinismus, Anpassung und Aufbruch entfaltet sich ein Roman, der über Dystopie hinausweist. „Schwarze Schwäne, blaue Schatten“ erzählt von der inneren und äußeren Befreiung eines Menschen in einer zunehmend technokratischen, entfremdeten Welt – eine philosophisch-symbolische Parabel über Freiheit, Verantwortung und Hoffnung. 

 

Stilistisch klar und doch von mythischer Tiefe, verbindet das Buch in 11 Kapiteln Gesellschaftskritik mit literarischer Erzählkunst. Es lädt dazu ein, über die großen Fragen unserer Zeit nachzudenken: Wer lenkt die Welt – und wohin? Wie viel Macht haben die Mächtigen wirklich? Welche Wege bleiben uns, um uns dem Zugriff der Systeme zu entziehen – und neue Formen des Zusammenlebens zu finden? Ein zeitgemäßer Gegenwartsroman für alle, die sich nach Orientierung, Wahrheit und Freiheit sehnen – ohne sich von Schwarzmalerei oder Dogmen fesseln zu lassen.


Buch (gebunden)

Schwarze Schwäne, blaue Schatten

Ben Langer (DE)

Buch, gebunden, Softvover, 200 Seiten, inkl. KI-basierte Illustrationen, 14,8 x 21 cm, Erscheinung: 11.08.2026, 1. Auflage, Deutsch, ISBN: 978-3-907347-61-4

Schwarze Schwäne, blaue Schatten (Buch, gebunden)

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Über den Autor

Ben Langer wurde 1989 in Stuttgart geboren und ist dort aufgewachsen. Er studierte Kommunikations- und Medienforschung bis zum Master und

arbeitete währenddessen im politischen Bereich. Derzeit arbeitet er als Leiter für Digitales eines mittelständischen Unternehmens und im direkten Kontakt mit neuen Entwicklungen im Bereich KI und Automatisierung. Seit Kindheitstagen ist er ausgesprochen interessiert an Geopolitik, Philosophie und Geschichte und beschäftigt sich leidenschaftlich mit Literatur zu aktuellen Themen. Mit seiner Frau lebt er zur Zeit im Bundesland Nordrhein-Westfalen.


Leseprobe

1. Kapitel (Auszug)

 

Ferdinand sprach von seinem Leben, als wäre es seines und doch war alles in fremder Gewalt, die ihn herumwarf und ihn ins Grab legen konnte, wie es ihr gefällt. Er wusste nicht, wann diese Gewalt kommt oder wohin sie geht, glaubte aber allzu gerne seine eigene Geschichte zu spinnen, wie ein Marionettenspieler, der mit wechselndem Geschick seine Figur lenkt, deren Bewegungen überblickt und bewusst einleitet. Doch in Wahrheit wurde er von dieser Gewalt geführt, war lediglich inmitten eines verwobenen Netzes an Seilschaften, Verflechtungen und Knoten, gesponnen über sein ganzes Leben. In eine Richtung hatte er hauchzarte, seidene Fasern und Fussel, die bei der kleinsten Erschütterung abreißen, zur anderen Seite viele dicke, rankenartige, teils verfilzte oder verhedderte Fäden und Seile. Manche verstaubten still, andere waren am Bersten und selbst das dickste Band konnte geräuschlos zerfallen, geradezu verpuffen. Alle Fäden zusammen – die verknoteten, wie die freien, die dicken, wie die feinen, die bunten, wie die farblosen – ergaben sein Spiel als Marionette des Unterbewussten, im Wechselspiel mit einer fremden Gewalt.

 

Ferdinand spielte ein Stück, doch kannte er die Merkmale seiner Rolle, seine Eigenarten, seine Bedeutung nicht. Er wusste nicht, wer er eigentlich war, was seine Aufgabe war. Wie viel Böses lauerte in ihm selbst? Gehörte er angebetet, ans Kreuz geschlagen oder war er gar der verrückte Spinner, das Kasperle, der Wirrkopf? Hatte er seine Rolle bereits nach den Erwartungen ausgefüllt? Konnte er mit sich zufrieden sein? Hatte er eine gute Rolle in einem schlechten Stück oder war es umgekehrt? Ferdinand ahnte es nicht, hatte sich auch nie die Frage gestellt, worin er überhaupt auftrat: Drama oder Farce, Komödie oder Trauerspiel? Vermutlich war das Stück, das er spielte, von allem ein bisschen, doch noch war ihm verborgen, ob er sich in einem unendlich schaurigen Prolog, weit weg von der reinigenden Katharsis, befand oder der Vorhang bald fallen würde.

 

Zweifellos zurrte Ferdinand ständig an den Fäden, die ihn umgaben, ihn schnürten, spannte neue, prägte sie, löste ein Gewirr oder schnürte sich wieder ein, doch das Spannungsfeld zwischen ihm und der Gesellschaft war irgendwann irgendwie gestört worden. Die alten Bande zwischen den Menschen hatten sich langsam und leise verfilzt. Früher war er Mitglied einer Kirchengemeinde, beim Musikverein und gehörte einer politischen Partei, einem Wohltätigkeitsverein und einem Fußballverein an. Seine gesamte Freizeit war gemeinschaftsorientiert. Über Generationen gefestigte Rollenbilder prägten seinen Alltag, gaben ihm Halt und Verbindungspunkte. In der Eulenquelle, einer Kneipe im Viertel, hatte er seinen festen Stammplatz, sein zweites Wohnzimmer, um sich über die Änderungen in seiner Nachbarschaft aus erster Hand zu informieren, um mit unterschiedlichen Meinungen zu lachen, zu singen, zu streiten.

 

Mittlerweile war Ferdinand im Grunde ein einsamer Konsument, der sich nicht einmal vorstellen konnte, wer an seinen Fäden zog, weil ihm der Überblick über das gesamte Stück fehlte. Er war so sehr in seine Rolle verstrickt, dass es ihm immer schwerer fiel, unter den vielen verschiedenartigen Verbindungslinien und Fäden, die unter Zug standen, seine Zügel zu erkennen. Wie die meisten Stadtbewohner führte Ferdinand ein zweckmäßiges, vorgezeichnetes Leben, ging selten in die Innenstadt, kannte kaum die Stadtteile, in denen er nicht lebte oder arbeitete. Im Zentrum seines Daseins lag ein Ort, der sein Leben langsam auffressen sollte: ein seelenloser, kalter, grauer Betonklotz, dessen Fenster in endlose Berge von Papierkram und Tastaturen blickten.

 

Die Behörde, bei der er arbeitete, war eine von jenen Institutionen, die kaum einer kannte, und selbst innerhalb der Belegschaft war nicht allen klar, was das Bundesamt für Organisation, Grundsatzfragen und Umsetzung im Staatswesen, kurz BOGUS, überhaupt für eine Rolle hatte. Ferdinands Stelle war eine von jenen, die die Behörde lediglich hatte, weil alle anderen Ämter eine ähnliche Stelle besetzt hatten und eine Bundesbehörde, die eine solche Stelle nicht hatte, würde von anderen Ämtern nicht als ernsthafte, hoheitliche Behörde, sondern als unprofessionelle Laienveranstaltung angesehen.  Sein Alltag war ein ritueller Kreislauf von monotonen Mails, müden Meetings und mühsamer Maskerade in einer kalten und eintönigen Umgebung. Er führte eine Beschäftigung aus, die so vollkommen sinnlos, unnötig, fruchtlos, widersprüchlich, übergriffig, erniedrigend und mehrwertsfrei war, dass er die Fortsetzung vor sich selbst innerlich kaum rechtfertigen konnte. Doch die Arbeit war auch seine stärkste Verbindung zur Außenwelt, seine wichtigste Schnur, das Haus überhaupt zu verlassen, sodass er sich verpflichtet fühlte, äußerlich so zu tun, als sei die Arbeit nicht sinnlos, als fügte sich sein Teilstück doch irgendwo sinnvoll zu einem großen Ganzen zusammen.

 

Mit seiner Arbeit diente er der Behörde nicht als Mensch, sondern als Werkzeug. Ferdinand nutzte keine Hilfsmittel, sondern war selbst ein Werkzeug unter vielen. Mit seinem Körper war er dazu da Tasten zu drücken. Er hatte also einen gewissen Wert: Er bearbeitete irgendwelche Daten, füllte Listen und Protokolle aus, die keiner las, keiner brauchte, besetzte einen Schreibtisch, an dem sich keiner störte, den niemand vermissen würde, wenn er ersatzlos gestrichen würde, einfach nie da gewesen wäre. Sein Wert war somit etwas niedriger als der des Ochsen vor dem Pflug, aber etwas höher als der eines Hammers, der einzig dazu da war, einen Nagel in die Wand zu schlagen. In dieser Rolle blieb ihm nicht mehr der geringste Geist für eigene Urteilsbildung und eigenes Moralempfinden übrig ...


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